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Farbe bekennen  

Gottesdienst African Festival 2015

Liebe Festival-Gemeinde!

Das Thema dieses Gottesdienstes ist das diesjährige Festival-Motto „Farbe bekennen“, ein Motto, das, wenn wir es hören, in uns vielfältige, ganz unterschiedliche Gedanken und Konkretionen freisetzt.

  • Farbe bekennen – die meisten von uns denken da, was bei einem solchen African Festival ja auch logisch ist, zunächst einmal an die Hautfarbe: Die Bereitschaft, den Mut, die Selbstverständlichkeit, sich zur eigenen Hautfarbe zu bekennen, ohne Minderwertigkeitsgefühle auf der einen und ohne Überheblichkeit auf der anderen Seite; die Freude darüber, in den unterschiedlichen Hautfarben die Farbenfreude Gottes zu entdecken, die sich in seiner gesamten Schöpfung wiederspiegelt, durch die er jedes Lebewesen mit seiner jeweils schon mit den Augen erkennbaren Besonderheit und Schönheit ausstattet, umso mehr auch noch mit seiner Besonderheit und Schönheit, die eben nicht so sehr mit den Augen, aber dafür umso mehr mit dem Herzen zu erkennen und wahrzunehmen ist.
  • Wie wir zu so einem sehenden Herzen kommen?
  • Die Antwort Jesu auf diese Frage: Durch den Glauben an unseren liebevoll mit uns umgehenden und uns begleitenden Gott; durch unser durch diesen Glauben bestärktes Selbstbewusstsein, im Bekenntnis zur eigenen Hautfarbe, ja zu seinem gesamten eigenen Sein, die Würde sichtbar werden zu lassen, die jedem und jeder von uns in gleicher Weise gilt und die in gleicher Weise auch uns gegenseitigen Respekt voreinander abverlangt.
  • Farbe bekennen – das heißt aber auch, dass wir uns mutig, ohne verstecken oder uns dessen schämen zu müssen, zu dem bekennen, was uns ausmacht: zu unserer Sprache, unserer Musik, unserer Lebensweise, unserer Kleidung, unserem Essen, unserer Tradition; aber dies auch nie in der Form von Provokation, die immer zugleich auch solche Menschen zu unliebsamen Gegenreaktionen reizt, die sich dadurch angegriffen fühlen, sondern vielmehr liebevoll und wertschätzend, um Andersdenkenden und Anderslebenden erfahrbar und verstehbar zu machen, was uns lieb und wert ist; einladend,  mit dem Wunsch, sie damit zu erfreuen und unser Zusammenleben dadurch für alle zusammen zu bereichern.
  • Farbe bekennen – da schwingt dann für mich auch mit die Bereitschaft zu Solidarität miteinander gegen jegliche Form von Unterdrückung, Ausgrenzung oder Rassismus; die gemeinsame Einsicht, dass wir gerade in unserer Unterschiedlichkeit dazu aufgerufen sind, miteinander uns aktiv einzusetzen für mehr Menschlichkeit vor Ort und in der Welt; für mehr Verantwortung für die Armen, Unterdrückten, Entrechteten, von unserer Gesellschaft Verachteten, für die vor Krieg und Terror in ihren Ländern zu uns Flüchtenden.
  • Farbe bekennen – eben nicht jeder und jede Einzelne von uns für sich, sondern im Miteinander der vielen Einzelnen; denn nur so werden wir zu Kräften kommen und bei Kräften bleiben, um Veränderungen in unserer Welt hin zum Besseren für alle Menschen, die in ihr leben, ja für alles, was in ihr lebt und Leben ermöglicht, möglich zu machen. Das wird uns nur gelingen durch gelebtes Miteinander über alle Grenzen dessen hinweg, was uns voneinander unterscheiden, ja vielleicht sogar trennen mag, wie heute in diesem Gottesdienst, in dem ChristInnen in ökumenischer Gemeinschaft, aber eben auch NichtchristInnen und Angehörige anderer Religionen miteinander die Freude über gelingendes Zusammenleben feiern.
  • Farbe bekennen – dazu noch ein letzter Gedanke:
  • In der Lesung aus dem 2. Mosebuch vorhin sind wir eindrücklich daran erinnert worden, dass da noch einer Farbe bekannt hat – für dich und mich, für uns, und zwar niemand geringerer als Gott selbst!
  • Als Mose, so haben wir gehört, Gott nach seinem Namen fragte, erhielt er zur Antwort: Mein Name ist Jahwe.
  • Eine mögliche Übersetzung dieses hebräischen Wortes wird in der Erklärung, wie Gott selbst seinen Namen erklärt, aufgegriffen: Ich werde sein – oder konkreter: Ich werde für dich da sein!
  • So bekennt Gott Farbe zu uns, unbegrenzt und uneingeschränkt!
  • Ich werde für dich da sein!
  • Sein Name ist sein Versprechen und zugleich sein Überlebens-Programm für uns.
  • „Sage, der „Ich-werde-für-dich-da-sein-Gott“ schickt dich!“
  • Diese Verheißung galt nicht nur dem Mose und dem Volk Israel. Sie gilt auch uns heute!
  • Wir haben einen Gott, der für uns Farbe bekennt!
  • Der uns dadurch zugleich auch ermutigen, stärken und zurüsten will und wird, nun auch unsererseits Farbe zu bekennen, vor uns selbst und vor der Welt  – Farbe zu bekennen zum Wohl seiner gesamten Schöpfung in der Solidarität der Unterschiedlichen, die dadurch miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bereichern, dass sie gemeinsam unterwegs sind auf dem Weg, der sie und die Welt, in der sie leben, dem Licht des Lebens entgegenführen wird als Menschen, die bereit sind, Farbe zu bekennen und dieses Bekenntnis auch zu leben und mit Leben zu erfüllen. Die dann auch gemeinsam singen:
  • „We are walking in the light of God.”
  • Oder wie wir es besser kennen mit den Worten:
  • Siyahamb‘ ekukhanyen‘ kwenkhos‘.
  • Und der Friede dieses Gottes, der weit über unser Verständnis hinausgeht, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

AMEN

  • Lesung aus 2. Mose 3

Mose hütete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Als er die Herde tief in die Wüste hineintrieb, kam er eines Tages an den Gottesberg, den Horeb. Dort erschien ihm Gott in einer lodernden Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Mose sah nur den brennenden Dornbusch, aber es fiel ihm auf, dass der Busch von der Flamme nicht verzehrt wurde. »Das ist doch seltsam«, dachte er. »Warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen!« Als Gott sah, dass Mose näher kam, rief er ihn aus dem Busch heraus an: »Mose! Mose!«

»Ja«, antwortete Mose, »ich höre!«  »Komm nicht näher!«, sagte Gott. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.« Dann sagte er: »Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«

Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich davor, Gott anzusehen.

Gott sagte weiter: »Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird. Ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. Ich weiß, wie sehr es leiden muss, und will es von seinen Unterdrückern befreien. Ich will es aus Ägypten führen

und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.

Deshalb geh jetzt, ich schicke dich zum Pharao! Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten herausführen.«

Aber Mose wandte ein: »Ich? Wer bin ich denn! Wie kann ich zum Pharao gehen und das Volk Israel aus Ägypten herausführen?« 

Gott antwortete: »Ich werde dir beistehen. «

Da sagte Mose zu Gott: »Wenn ich nun zu den Leuten von Israel komme und zu ihnen sage: ‚Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt‘, und sie mich dann fragen: ‚Wie ist sein Name?‘ – was soll ich ihnen dann sagen?«

Gott antwortete: »Mein Name ist Jahwe. Das bedeutet: Ich werde für dich da sein«, und er fügte hinzu: »Sag zum Volk Israel: ‚Der Ich-werde-für dich-da-sein-Gott hat mich zu euch geschickt!«

Alle Fotos stammen von Gabriele Metzger.

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