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Buß- und Bettag – ach den gibt es noch?! – Spr. 14,34

Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben. Sprüche 14,34

Ausgehend von diesem kurzen, prägnanten Bibelwort aus dem Buch der Sprüche will ich hier über drei in unserer Kirche oft gebrauchte, aber leider eben auch oft missbrauchte Begriffe nachdenken, nämlich über Buße, über Sünde und über Gerechtigkeit.

Buße

Seit der Streichung des Buß- und Bettags als staatlicher Feiertag zu Gunsten der Pflegeversicherung hat dieser kirchliche Feiertag in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung verloren. Kaum jemand nimmt ihn noch wahr. Für die Berufstätigen ist der heutige Tag ein normaler Arbeitstag. Die meisten von ihnen wissen nicht einmal, dass, wenn sie den Wunsch haben, heute zum Gottesdienst zu gehen, ihnen ihre Arbeitgeber frei geben müssen, – natürlich auf Kosten ihres Ferientagekontos.

Aber auch schon zu Zeiten, als der Buß- und Bettag noch ein staatlicher Feiertag war, galt er für die meisten unserer evangelischen MitchristInnen, vornehmlich für die jüngere Generation, eher als freier Tag denn als Feiertag von besonderer kirchlicher Bedeutung.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass der Begriff „Buße“ bei uns keine sehr positiven Empfindungen oder Erinnerungen auslöst.

„Das wirst du mir büßen!“- Buß-Geld – Büßergewand.

Wer hat schon Lust darauf, sich ohne besondere Not mit „Buße“ auseinanderzusetzen!

Dabei ist das, was „Buße“meint, und das mag jetzt erstaunen, rechtbesehen vielmehr etwas ganz Positives.

Ursprünglich kommt der deutsche Begriff „Buße“ von dem Wortstamm „ausbessern“.

Daran erinnert auch noch die Wortverbindung „Lückenbüßer“. Gedacht ist dabei zum Beispiel an eine Mauer, in der ein Stein defekt ist. Damit die Mauer wieder in einen guten Zustand kommt, muss nur dieser defekte Stein entfernt und durch einen neuen ersetzt werden.

Bezogen auf unseren Glauben nun suggeriert uns diese deutsche Herleitungsweise: Eigentlich bin ich ja ganz okay, es muss nur dies oder jenes bei mir „ausgebessert“ werden, dann ist wieder alles bei mir in Ordnung.

Das im griechischen Urtext stehende Wort „metanoia“, welches von uns mit „Buße“ übersetzt wird, beschreibt jedoch einen ganz anderen Zustand, nämlich den der Sinnesänderung, der Umkehr.

Wenn also laut Bibel von uns Buße erwartet wird, dann geht es da nicht um irgendwelche Ausbesserungen in unserem ansonsten intakten Glaubenskostüm, sondern um eine totale Sinnesänderung, um einen Neuanfang. Geht es um Umkehr.

Das heißt, es wird von uns nicht erwartet, dass wir auf unserem Glaubensweg kleinere Richtungskorrekturen vornehmen, sondern dass wir wahrnehmen, wann und wo uns unser Weg von Gott wegführt; dass wir dann nicht einfach so weiterlaufen, sondern stehen bleiben, uns neu auf das Ziel Gott ausrichten und dann auch darauf zugehen.

Das ungeheuer Positive und zugleich Tröstliche an der Buße, wie sie im Neuen Testament im Lichte der Botschaft Jesu Christi verstanden wird, ist die Gewissheit: Wenn ich feststelle, dass mich mein Lebens- und Glaubensweg von Gott wegführt, dann darf und kann ich umkehren. Er wird mich nie wegschicken. Im Gegenteil: Immer und immer wieder bin ich bei ihm willkommen. Buße, Umkehr ist immer möglich!

Unter diesem Vorzeichen können wir dann auch den zweiten Begriff, den der Sünde, ganz neu und anders als bisher sehen und verstehen lernen.

Sünde macht Umkehr nötig. Weil Sünde zunächst einmal nichts anderes ist als die Abkehr von Gott. Dass wir Menschen meinen, auch ganz gut ohne Gott zurecht kommen zu können; dass wir uns unabhängig von ihm eigene Regeln und Gesetze schaffen; dass wir uns nicht mehr ihm als unserem Schöpfer und somit auch nicht seiner Schöpfung gegenüber verpflichtet wissen; dass wir nicht mehr bereit sind, ihm und seinem Wort grundlegend zu vertrauen. Das bedeutet: Sünde hat zunächst einmal überhaupt nichts mit Moral zu tun. Es geht bei ihr nicht darum, dass wir etwas Schlechtes oder Böses oder Verbotenes tun oder getan haben, sondern ganz einfach nur, dass unser von uns selbst gewählter und von uns selbst bestimmter Lebensweg nicht auf Gott zu, sondern von Gott weg führt. Dass wir ihm nicht genügend vertrauen, dass wir uns nicht auf ihn verlassen.

Sünde ist Abkehr von Gott.

Buße oder ganz konkret der Buß – und Bettag wollen uns aus der Abkehr von Gott zur Umkehr zu Gott rufen.

„Weil die Sünde letztlich der Leute Verderben ist.“

Der Spruch für den heutigen Tag erinnert uns eindringlich daran, dass der Weg von Gott weg, der Weg der Sünde, der Weg des fehlenden Gottvertrauens uns ins Verderben, ins Chaos menschlicher Beziehungen und Solidarität führt.

Dass aber Umkehr immer möglich ist.

Dieser Spruch macht uns Mut dazu, uns immer neu auf Gott einzulassen und zu verlassen, er macht uns Mut dazu, Gottes Verheißung zu vertrauen und der Verwirklichung seines Willens in unserer Welt Raum zu schaffen. Damit beschreiten wir zugleich auch den Weg der Gerechtigkeit, die von Gott kommt. Und von der es heißt:

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk.“

Wohlgemerkt Gerechtigkeit, und nicht sein Bruttosozialprodukt – Gerechtigkeit, und nicht seine Exportbilanz – Gerechtigkeit, und nicht seine wirtschaftliche oder militärische Macht oder sein Reichtum.

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk.“

Das ist nicht nur eine Zurechtweisung. Das ist auch eine Verheißung! Eine Verheißung wohlgemerkt, die auf denen liegt, die bereit sind, Buße zu tun, die bereit sind umzukehren auf den Weg der Gerechtigkeit, wenn sie merken, dass sie ihr Weg von Gott und damit eben auch von seiner Gerechtigkeit wegführt. Denn so werden diese dann auch je und je bei sich selbst, in ihrer Umgebung, in ihrem Wirkungsbereich der Gerechtigkeit, die von Gott kommt, den Weg bereiten.

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