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Walking in his Light

Überall, wo ich dann hinschaue, bin ich umgeben von Engeln!

Predigt über einen Gospel, den unser Chor damals sang, dessen Melodie und Originaltext ich jedoch leider nicht mehr kenne und auch online nicht finden konnte.

Wenn ich in Seinem Licht wandle,

sitzt eine Taube auf meiner Schulter,

öffnet Er mir die Augen,

und ich stelle fest:

Überall, wohin ich dann schaue,

bin ich umgeben von Engeln.

Ja, dafür öffnet Er mir die Augen.

Wenn ich Sein Antlitz sehe

und Seine Stimme höre,

verwandelt sich der Ort,

an dem ich mich gerade befinde,

für mich zum besseren.

Dafür öffnet Er mir die Augen.

Wenn ich seinen Weisungen folge,

spüre ich seine gnadenvolle Zuwendung.

Dafür öffnet Er mir die Augen.

Immer wieder schenkt er mir einen neuen Anfang.

Dafür öffnet Er mir die Augen.

Wenn ich Sein Antlitz sehe

und Seine Stimme höre,

verwandelt sich der Ort,

an dem ich mich gerade befinde,

für mich zum besseren.

Gospel

Wer sich Gott aussetzt, wer in seinem Leben versucht, Gott zu vertrauen, dem, so macht dieser Gospel deutlich, wird er die Augen öffnen für eine oftmals ganz andere, für eine ganz neue Wahrnehmung der eigenen Wirklichkeit.

Wer sich Gott aussetzt und auf sein Wort hört, dem wird er die Augen öffnen für das, was wirklich wichtig und richtig ist für sein Leben.

Denn im Glauben ermöglicht uns Gott neue Ansichten, Ansichten, die unsere Sichtweise der Welt und unseres Miteinanders in seiner Schöpfung grundsätzlich zu verändern vermögen.

Eine dieser möglichen Veränderungen, wie sie im Gospel geschildert wird, da heißt es:

Wenn ich in Seinem Licht wandle,

öffnet Er mir die Augen,

und ich stelle fest:

Überall, wohin ich dann schaue,

bin ich umgeben von Engeln.

Ich habe einmal bei einem Gesprächsfrühstück im Kindergarten junge Mütter gefragt: „Glauben Sie an Engel?“ Und bekam von ihnen sehr schnell zu hören: „Aber selbstverständlich glauben wir an Engel!“

Und dann fragte ich sie weiter: „Glauben Sie an Gott?“

Da war plötzlich großes Schweigen. Manche wackelten bedenklich mit den Köpfen. „Wissen Sie, Herr Pfarrer, das ist nicht so einfach.“ Oder: „Ich habe da so meine Schwierigkeiten.“

Das ist übrigens ein interessantes Phänomen unserer Zeit:

An die Existenz von Engeln zu glauben, bereitet vielen unserer Mitmenschen keine großes Probleme. Wenn ich alleine nur daran denke, wie viele Schutzengel bei uns verschenkt werden oder wie oft Psalm 91,11 als Taufspruch ausgesucht wird: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, ……“

Bei unserem Schreibwarengeschäft in der Nähe erblickte ich vor einiger Zeit an der Kasse ein Körbchen voller Keramikschutzengelchen, an die zu meiner Überraschung ein Zertifikat gebunden war mit etwa dem Inhalt: Ab heute ……, und dann konnte man ein Datum eintragen, gehört dieser Schutzengel bis in die Ewigkeit ….., und dann konnte man dort einen Namen eintragen. Ein ganz persönliches Geschenk!! Ich habe dann nur einmal eher spaßeshalber zurückgefragt, vom wem denn die Rechte für eine solche Schutzengelverleihung eingeholt worden seien. Die Verkäuferin schaute mich zunächst ein wenig verdutzt an und lächelte dann verlegen.

Wie gesagt: An die Existenz von Engeln zu glauben, bereitet vielen unserer Mitmenschen keine großen Probleme.

Ganz anders wird es da, wenn es darum geht, an die Existenz Gottes zu glauben.

Was für eine verkehrte Welt! Wie kann es sein, dass sehr viele von denen, die an Engel glauben, im gleichen Moment zugeben, mit dem Glauben an Gott nichts anfangen zu können?

Engel – griechisch angelos – bedeutet „Bote“. Und Bote kann man nur sein, wenn man von jemandem mit irgendeiner „Botschaft“ ausgestattet und dann losgeschickt worden ist.

Ohne diesen Jemand kann es keine Boten geben. Oder anders ausgedrückt: Ohne Gott keine Engel! So einfach ist das!

Warum können dann trotzdem so viele an Engel glauben? Ganz einfach: Weil sie an Engel glauben wollen. Weil ihnen dieser Gedanke gut tut, ihnen Sicherheit vermittelt, sie beruhigt oder gar tröstet.

Warum können so viele nicht an Gott glauben? Ich würde sie gerne einmal fragen: Wollt ihr überhaupt an Gott glauben? Wollt ihr, dass euch der Gedanke, dass Gott euch lieb hat und „euer Freund sein will“, gut tut, dass er euch Sicherheit vermittelt, euch beruhigt oder gar tröstet?

Ein Mensch, der nicht an Gott glauben will, braucht sich nicht zu wundern, dass er an Gott nicht glauben kann.

Und selbst der Mensch, der an Gott glauben will, wird es damit nicht immer leicht haben. Daran erinnern uns sehr eindrücklich viele Geschichten in der Bibel.

Wenn ich in Seinem Licht wandle,

öffnet Er mir die Augen,

und ich stelle fest:

Überall, wohin ich dann schaue,

bin ich umgeben von Engeln.

Ein ganz wunderschöner und zugleich ganz wichtiger Hinweis:

Der Glaube an Gott eröffnet uns den Blick für die Engel – und nicht umgekehrt.

Aber was sind überhaupt „Engel“? Sind sie geschaffen, gezeugt, sterblich, haben sie ein Geschlecht? Wo halten sie sich auf? Wie sehen sie aus? Wie viele Flügel haben sie?

Darüber gibt es die tollsten wissenschaftlichen bis pseudowissenschaftlichen Untersuchungen, Diskussionen, Bücher. Ich gebe ehrlich zu: Ich halte von dem allem nicht viel,

Wie lässt sich aber dann von „Engel“ sprechen?

Im Engel wendet sich Gott einem Menschen ganz unmittelbar zu. Nicht der Engel wendet sich zu, sondern Gott selbst. So ist der Engel letztlich nur ein Bild für die Art und Weise der Zuwendung Gottes, in dessen Macht es steht, sich aller und allem zu bedienen, um sich uns Menschen zuzuwenden, um uns seine Nähe und seinen Beistand erfahrbar zu machen: Etwa durch einen Menschen, der mich tröstend in den Arm nimmt; durch ein Musikstück; durch den Anblick eines Sonnenunterganges; durch den Arzt, der mir hilft oder die Schwester, die mich pflegt; durch ein Kunstwerk, das mich zum Nachdenken bringt; durch ein gutes Wort, das mich ermutigt. „Engel“ sind dann die unendlich vielen Wirkweisen Gottes, mit denen er in mein und dein Leben hineinwirkt. Dabei bedient er sich wie gesagt allem und jedem, also auch deiner und meiner, um uns Menschen zu begegnen und um uns seine Gegenwart erfahrbar zu machen. Dietrich Bonhoeffer hat diese „Engel“, diese Wirkweisen Gottes einmal als „gute Mächte“ bezeichnet in jenem bekannten Ausspruch:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Mit seinen „guten Mächten“ ist Gott bei uns am Werk, und je mehr wir unseren Blick von ihm leiten lassen, desto mehr werden wir diese „guten Mächte“ in unserem Leben sehen und erkennen können.

Dafür öffnet Er mir die Augen. Mir und Dir!

Gott sei Dank!!

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