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Wann ist ein Hirte „gut“?

Eine Meditation, die ursprünglich für einen Salbungsgottesdienst entstand

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln –

und dann sagt Jesus, der Gesalbte Gottes:

„Ich bin der gute Hirte.

Meine Schafe hören meine Stimme

und ich kenne sie

und sie folgen mir.“

Wem folgen wir?

Auf wessen Stimme hören wir?

„Ich bin der gute Hirte.“

Unsere Hirten wollen viele sein.

Wem viele folgen,

der ist bei uns angesehen;

der ist mächtig;

der kann viel durchsetzen

von dem, was er will.

Aber:

Wann ist ein Hirte „gut“?

„Ich bin der gute Hirte,“ sagt er.

Deshalb sollen wir auf seine Stimme hören

und ihm folgen.

Wann ist ein Hirte „gut“?

Wenn er sich zurücknehmen kann;

wenn er seinen Schafen etwas zutraut;

wenn sein Ziel nicht sein persönlicher Erfolg ist,

sondern das Bemühen,

miteinander anzukommen.

Ist dir schon aufgefallen?

Ein guter Hirte geht nicht voraus,

sondern ganz am Schluß:

um immer seine ganze Herde im Blick zu haben;

um kraftlos Gewordene zu stützen oder zu tragen;

um sich der Kranken anzunehmen;

darauf zu achten,

daß keines der Schafe zurückbleiben muß,

weil das Tempo vorne zu schnell geworden ist.

Ein „guter“ Hirte führt von hinten.

Er traut seinen Schafen zu,

daß sie ihren Weg schon finden,

und kann immer doch noch eingreifen

und helfen,

wenn sie in die Irre zu gehen drohen.

Wie beruhigend.

Da ist einer, der uns den Rücken stärkt.

Und doch –

eigentlich ein absurder Gedanke:

Wir sollen dem folgen,

der uns folgt.

Der Gesalbte Gottes,

nicht gesalbt, um zu herrschen,

um sich bedienen zu lassen,

sondern um zu dienen,

um sich, um sein Leben einzusetzen

für diejenigen,

die es gerade brauchen.

In die Nachfolge des Gesalbten

sind wir berufen.

Und dürfen so auch uns salben (segnen) lassen

zum Zeichen der Verbundenheit mit ihm,

dem Christus, dem Gesalbten;

zur Erinnerung daran,

daß wir durch ihn nicht zum Herrschen,

sondern zum Dienen berufen sind;

zum Erfühlen der heilsamen

und wohltuenden Nähe Gottes

in diesem guten Hirten,

der nicht zulassen wird,

daß es uns an dem mangelt,

was zum Leben führt.

Deshalb:

Dankt Gott,

denn er ist gut

und meint es gut mit uns!

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