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Woher sollte ich denn wissen, dass es dich wirklich gibt?

Meditation zum Psalm 22 Teil 1

Mein Gott, mein Gott, hast du mich verlassen?

Siehst du nicht, wie ich leide?

Ich grüble und suche,

rufe und weine,

aber alles bleibt still.

Den Tag über quälen mich meine Gedanken

und auch in der Nacht finde ich keine Ruhe.

Wozu das alles?

Und weshalb gerade ich?

Wenn du mir doch nur antworten würdest, Gott.

Wenn du mir doch nur ein Zeichen geben würdest,

dass du mich hörst.

Oder gibt es dich vielleicht gar nicht, Gott?

Früher haben sie mir gesagt,

dass ich mein Leben dir verdanke.

Dass du mich hast heranwachsen lassen im Leib meiner Mutter,

mich behütet hast noch vor meiner Geburt

und sonst immer seither.

Nur – davon spüre ich momentan reichlich wenig.

Warum nur, Gott?

Ich weiß, ich bin nicht der einzige,

der so fragt,

der zu dir schreit in seiner Not.

Viele sind es, die dich anrufen

in den Dunkelheiten ihres Lebens,

in den Nächten dieser Welt.

Viele schreien, weil sie krank sind oder allein,

weil sie Trauer tragen oder mutlos geworden sind,

weil sie vertrieben werden, ohne Obdach oder Brot sind,

weil sie gequält und ausgebeutet werden,

weil sie dem Tod entgegensehen.

Sie schreien nach dir, Gott,

genauso wie ich.

Ich weiß, oft warst du mir gleichgültig,

als es mir gut ging.

Das geht wohl fast allen so.

Wenn es ihnen gut geht, meinen sie,

dass sie schon ganz gut ohne dich zu Recht kommen.

Ob ich ohne Not überhaupt an dich denken würde, Gott?

Hast du mich etwa deshalb verlassen?

Oder bin nicht eher ich es,

der dich verlassen hat?

Sei mir nahe, auch wenn ich nichts davon fühle.

Ich brauche dich!

Ich brauche dich im Kampf gegen die Angst,

die mich lähmt und mir den Atem nimmt.

Oft denke ich, es hat alles keinen Sinn;

fehlt mir die Kraft, mich aufzuraffen,

mich zusammenzureißen, zu hoffen.

Hörst du mich?

Gibt es dich wirklich?

Oder bist du nur ein Geschöpf meiner Gedanken?

Woher sollte ich denn wissen,

dass es dich wirklich gibt?

Meditation zum Psalm 22 Teil 2

Du hast mich erhört, Gott.

Damals, als ich zu dir rief in meiner Not.

Hast du mich aufgefangen,

als ich immer tiefer fiel;

unspektakulär, kaum wahrnehmenbar;

hast du mich aufgehoben,

als ich keinen Schritt mehr wagte;

hast du mich gestützt,

als ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.

Erst im Rückblick erkenne ich,

dass du mich nie verlassen hattest,

dass du mir nur noch umso näher warst damals,

als ich nicht mehr aus noch ein wusste;

dass du mich nie aufgegeben hast,

selbst dann nicht,

wenn du mir gleichgültig geworden bist.

Deshalb will ich dich bekannt machen

bei meinen Mitmenschen,

damit sie dir auch vertrauen;

will ich dir lobsingen inmitten der Stürme,

die uns umtoben;

will rufen:

Preiset ihn und rühmt seinen Namen

ihr, die ihr zu seinem Volk gehört!

Denn er hat den Elenden nicht verachtet;

seinen Schrei hat er erhört und ihm neue Würde gegeben.

Ich will dich preisen, wo immer ich kann,

und weitergeben, was du mir Gutes getan hast.

Die Armen werden zu essen bekommen und satt werden.

Die dich suchen, werden dich finden und sich freuen.

Alle Völker dieser Welt werden dich ehren,

jedes auf seine Art.

Denn du hast alle Macht im Himmel und auf Erden,

wirst dich erweisen als der Herr über deine ganze Schöpfung

genauso wie über mein kleines Leben.

Bei dir sind geborgen,

die gestorben uns ins Leben vorausgegangen sind.

Und die nach uns kommen,

werden dieselben Erfahrungen machen mit dir wie ich.

So wird von Generation zu Generation weitergegeben

die Botschaft von deiner Liebe und Barmherzigkeit:

Du bist es, der uns hält und trägt und errettet,

du, unser Gott!

Dir sei Lob und Dank!

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