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Kirchenmusikalischer Gottesdienst zum Mitlesen und Mithören

4. Advent 2020

* Concerto für Oboe, Streicher und B.c. op. 9,2 1.Satz   von Tomaso Albinoni (nur den 1. Satz anhören!)

* BEGRÜSSUNG

(Da dieser Gottesdienst am 4. Advent 2020 in der Stiftskirche in Lahr so gefeiert wurde, folgte hier die Begrüßung der Gemeinde, die mit den Worten abschließt:)

Lasst uns dem Klagen über die Schwere dieser Pandemie, die auf uns lastet, das Gotteslob entgegensetzen, den Dank dafür, dass er es Advent hat werden lassen damals mit der Geburt jenes Kindes an Weihnachten, von dem es heißt: „Das Licht kam in die Finsternis!“

* Alt-Arie (Georg Philipp Telemann TWV 1:935 ) (leider kein Musikvideo gefunden!)

Jauchzet, frohlocket! Der Himmel ist offen;

Schauet beseligte Frommen empor!

Jesus, der euch zum Vergnügen

in die Welt herabgestiegen,

öffnet das verschlossne Tor

und erfüllt der Väter Hoffen.

* VOTUM Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

* PSALM EG 739

Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn,
dass ich verkündige all dein Tun.
Ps 73,23-26.28

* EINGANGSSGEBET

Guter Gott,

wir möchten heute den Mut zur Freude haben,

in dieser Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest,

die geprägt ist von Ängsten und Sorgen

in Bezug auf Corona, dieser Pandemie,

die weltweit Menschen Krankheit und Tod bringt.

Wir möchten den Mut zur Freundlichkeit haben

inmitten der Diskussionen über die richtigen Maßnahmen,

um die Ausbreitung der Ansteckungszahlen zu verringern;

dieser Diskussionen, die Gräben aufreißen

zwischen Befürwortern und Gegnern.

Wir bitten um den Mut,

trotz aller Differenzen einander zuzuhören;

den Mut, trotz all der Sorgen und der Enttäuschungen,

die wir empfinden,

miteinander Lösungen zu suchen und zu finden,

die nicht dem einseitigen Triumpf dienen,

sondern der gemeinsamen Hoffnung auf einen Weg

heraus aus der uns alle bedrohenden,

unser aller Leben gefährdenden Situation.

Wir setzen unser Vertrauen immer wieder neu darauf,

dass du uns nahe bist,

dass du zu uns kommst gerade dann,

wenn wir dir bei uns zu wenig Raum bieten

in der irrigen und überheblichen Meinung,

wir kämen schon ganz gut ohne dich mit allen zu Recht.

Vertrauensvoll bitten wir dich:

Lass uns deine erbarmungsvolle Nähe spüren!

Kyrie eleison!

* KYRIE

* GNADENSPRUCH

Hört, wie Gott sich uns zuwendet:

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,

dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,

dass sie laufen und nicht matt werden,

dass sie wandeln und nicht müde werden.

* TAGESGEBET

Wir bitten dich, Gott,

öffne die Türen unserer Herzen:

Für Menschen, die sich nach einem Zuhause sehnen.

Für Menschen, die um Frieden bitten.

Für Menschen, die Liebe suchen.

Und für dich,

der du zu uns kommen und bei uns einkehren willst,

um unseren Alltag hell und unser Leben heil zu machen

heute und jeden Tag neu.

* AMEN

* LESUNG aus Lukas 1   „Magnificat“

Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht  bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit  und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

Hier folgen die Arie aus dem Weihnachtsoratorium, die Predigt und die Arie aus dem Messias als Originalaufnahme aus dem Gottesdienst am 4. Advent 2020 in der Stiftskirche Lahr.

Mezzosopran: Viola de Galgóczy

Oboe/Oboe d’amore: Ulrich Steurer

Violine/Viola : Veronika Ohnmacht, Florentine Ohnmacht

Violoncello: Jochen Maier

Orgelpositiv: Martin Groß + Bezirkskantor Hermann Feist

Gesamtleitung: Martin Groß 

Aufnahme: Ulrich Steurer

* Weihnachtsoratorium (J.S:Bach)

Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben,

Den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!

Deine Wangen

Müssen heut viel schöner prangen,

Eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben!

* PREDIGT

Jauchzet, frohlocket! – nein, nach Jauchzen und Frohlocken ist uns momentan in diesen Wochen und Monaten Corona geschuldet absolut nicht zu Mute.

Bereite dich, Zion! – uns bereit machen, das tun wir ja dauernd schon – auf die Erfordernisse des Lock-Downs in unserem Lande: Wo bekomme ich meine FFP2-Masken her? Wie schaffen wir es, genügend Abstand von anderen zu halten? Wann endlich bekomme ich meine Impfzulassung? Was muss ich an Quarantäne jetzt schon tun, um am 24. mit meinen Liebsten zusammen verantwortbar Weihnachten feiern zu können? Und viele machen sich nicht zuletzt auch auf die ökonomischen Folgen des Lock-Downs bereit und die drohenden Arbeitsplatzverluste und die zu erwartenden Insolvenzen im neuen Jahr.

Und dann kommt Ihr von der Kirche mit der Aufforderung: „Jauchzet, frohlocket!“ – „Bereite dich, Zion, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!“

Habt Ihr uns in dieser Notzeit, die uns Menschen in Angst und Verzweiflung stürzt, nichts Besseres zu sagen?!

Meine Antwort: Nein, wir haben nichts Besseres zu sagen, weil wir „Besseres“ nicht zu sagen haben!

Für manche mag dies wie eine Kapitulation vor der Realität klingen, wie das Eingeständnis von Resignation.

Dabei ist es genau das Gegenteil davon. Wir haben nichts „Besseres“ zu sagen, weil es „das Beste“ ist, was es in diesem Moment zu sagen gibt! Und nicht nur in diesem Moment, sondern für alle Zeit.

Ich kann Euch verstehen, wenn Ihr mich jetzt ein wenig verständnislos anblickt.

Lasst es mich erklären, was ich meine.

Seit Menschheitsgedenken gab es immer wieder Zeiten der Not und der Verzweiflung; Zeiten, in denen die Pest oder andere Epidemien, in denen Hungersnöte, Umweltkatastrophen und Kriege Unmengen von Menschen dahinrafften. Das ist einfach ein unausweichlicher Teil unserer menschlichen, ja sogar der gesamten Schöpfung innewohnenden Wirklichkeit. Sie lässt sich nicht verschleiern; sie lässt sich nicht wegdiskutieren; sie lässt sich nicht verdrängen. Wir müssen vielmehr lernen, mit ihr zu leben.

Die Frage ist nur: Was oder auch wer hilft uns, mit dieser, uns immer wieder auch ganz tief nach unten ziehenden und aus der Bahn werfenden Wirklichkeit zu leben, hilft uns, an ihr nicht zu zerbrechen, ja sie im besten Fall sogar ein Stück weit zu gestalten?

In der Bibel finden wir eine Fülle von Berichten darüber, wie es Menschen gelungen ist, in solchen Zeiten von Not und Verzweiflung nicht zu resignieren, sondern bewußt zu leben und sie zu gestalten – mit Hilfe ihres Glaubens an Gott und seinen liebevollen Beistand, selbst dann, wenn sie diesen beileibe nicht verdient hatten.

„Jauchzet, frohlocket!“ – „Bereite dich, Zion, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!“

Miteinander bereiten wir uns jetzt, in Zeiten von Corona, auf das Weihnachtsfest vor, an dem wir uns Jahr für Jahr daran erinnern, dass mit Jesus „der Schönste und Liebste“, vielleicht würden wir heute eher formulieren, „das Schönste und Liebste“ für uns zur Welt gekommen ist in dem Sinne, dass Jesus damals gegen alle Widerstände in Wort und Tat bis hin zur letzten Konsequenz, seinem Tod am Kreuz, verkündigt und gelebt hat, mit welch großer Liebe und Barmherzigkeit Gott sich unser annimmt und das auch und gerade in den Notzeiten unseres Lebens, indem er Gottes Zusage an uns auch auf sich selbst bezogen hat:

Er weidet seine Herde, dem Hirten gleich,

und heget seine Lämmer so sanft in seinem Arm;

er nimmt sie mit Erbarmen auf in seinen Schoß

und leitet sanft, die in Nöten sind. –

Kommt her zu ihm, die ihr mühselig seid,

mit Traurigkeit Beladne, er spendet süßen Trost.

Und indem er uns dazu aufruft, auch und gerade in den Notzeiten unseres Lebens uns einander liebevoll wahr und ernst zu nehmen und zuzuwenden und so in die Gestaltung unserer Wirklichkeit einzugreifen.

Und jetzt sagt ehrlich: Gibt es dazu in dieser Zeit „Besseres“ zu sagen?!

* MESSIAS (Händel)

Er weidet seine Herde, dem Hirten gleich,

und heget seine Lämmer so sanft in seinem Arm;

er nimmt sie mit Erbarmen auf in seinen Schoß

und leitet sanft, die in Nöten sind. –

Kommt her zu ihm, die ihr mühselig seid,

mit Traurigkeit Beladne, er spendet süßen Trost.

Nehmt sein Joch auf euch und lernet von ihm,

denn er ist sanft und demutvoll,

so findet ihr Ruh und Seelenheil.

* FÜRBITTENGEBET

Advent.  –  Gott kommt.

Allmächtiger und barmherziger Gott, wir bitten dich,

lass unsere Welt erkennen, dass du ihr nahe bist.

Rette, was verloren ist. Füge wieder zusammen, was zerbrochen ist. Mache heil, was verletzt wurde.

Hilf Streit und Feindschaft zu beenden und gib, dass Gerechtigkeit und Frieden wachsen unter den Völkern.

Wir bitten dich, Gott, komm in unser Leben.

Mache satt, die hungrig sind. Tröste, die traurig sind.

Ermutige, die verzweifelt sind.

Hilf Vorurteile zu überwinden

und gib, dass Rücksicht und Umsicht walten

unter uns Menschen.

Wir bitten dich, Gott, komm zu uns.

Ermutige die Menschen, die Angst haben vor diesem zerstörerischen Virus;

gib Kraft und Zuversicht denen, die sich angesteckt haben;

tröste diejenigen, die um ihre Lieben trauern müssen, weil ihnen Corona das Leben genommen hat.

Und gib Kraft und Durchhaltevermögen denen, die in Kliniken, Praxen und Altersheimen sich gegen die Folgen dieser Pandemie zu stemmen wagen.

Lass deine Güte sichtbar und deine Liebe spürbar werden für jede und jeden von uns allen – überall und jederzeit.

* VATERUNSER

* Bassani Giovanni Battista NASCERE NASCERE DIVE PUELLULE

Komm, komm auf die Welt,

göttliches Kind! Zärtliche Liebe,

eile herab vom Himmel!

Schon bringt die Erde hervor ein Blümlein in Nazareth,

das die Kriege beendet

und die Werke des Geistes

mit Frieden küsst.

* SEGEN

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