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OASIS „Wonderwall“

Text

Today is gonna be the day that they’re gonna throw it back to you

By now you should’ve somehow realised what you’ve got to do

I don’t believe that anybody feels the way I do about you now

Backbeat, the word is on the street that the fire in your heart is out

I’m sure you’ve heard it all before, but you never really had a doubt

I don’t believe that anybody feels the way I do about you now

And all the roads we have to walk are winding

And all the lights that lead us there are blinding

There are many things that I would like to say to you

But I don’t know how

Cos maybe,      You’re gonna be the one that saves me

And after all,       You’re my Wonderwall

Today was gonna be the day but they never threw it back to you

By now you should’ve somehow realised what you’ve not to do

I don’t believe that anybody feels the way I do about you now

And all the roads that lead you there are winding

And all the lights that light the way are blinding

There are many things that I would like to say to you

But I don’t know how

Deutscher Text

Heute wird der Tag sein,

dass man es dir berichten wird.

Inzwischen sollte es dir irgendwie klar geworden sein,

was du zu tun hast.

Ich glaube nicht, dass irgendwer

für dich so empfindet wie ich.

Auf den Straßen geht das Gerücht um,

dass das Feuer in deinem Herzen erloschen ist.

Sicherlich hast du das alles schon vorher gehört,

aber hattest doch nie wirklich einen Zweifel.

Ich glaube nicht,

dass irgendwer dasselbe für dich empfindet wie ich.

Und alle Wege,

die wir zu gehen haben, sind voller Kurven.

Und all die Lichter, die uns dorthin führen, blenden uns.

Es gibt so viele Dinge, die ich dir gerne sagen würde,

aber ich weiß nicht wie.

Weil vielleicht wirst du die/derjenige sein, die/der mich retten wird.

Schließlich bist du die Mauer, die mich stützt.

Heute hätte der Tag sein sollen,

aber sie haben es dir nie gesagt.

Inzwischen sollte es dir irgendwie klar geworden sein,

was du nicht tun solltest.

Ich glaube nicht,

dass irgendwer für dich so empfindet wie ich

Und alle Wege, die dich dorthin führen, sind voller Kurven.

Und all die Lichter, die den Weg beleuchten, blenden.

Es gibt so viele Dinge, die ich dir gerne sagen würde,

aber ich weiß nicht wie.

Ich sagte, vielleicht bist du die/derjenige, die/der mich retten wird

Schließlich bist du die Mauer, die mich stützt.

Übersetzung in der Bearbeitung von G. Metzger

Predigtsituation: Vorstellung der neuen KonfirmandInnen

Liebe Gemeinde!

Geboren wurde die Grund-Idee für diesen Gottesdienst beim letzten Ex-Konfi-Treff vor den Ferien am Ufer der Elz.

Da hattet Ihr von der Band das Interesse geäußert, mit Eurer Band die neuen Konfis zu begrüßen.

Auf meine Frage: Habt Ihr einen Song, der für einen Gottesdienst passt, über den ich eine Predigt halten könnte? Da habt Ihr mir als Tipp einen Refrain vorgesungen, der lautete auf Deutsch übersetzt: Es könnte sein, dass du es bist, die/der mich retten könnte. Retter – das klang für einen Pfarrer verführerisch. Damit könnte sich etwas anfangen lassen: Du bist der, der mich retten könnte. Und dann noch: Yor´re my wonderwall.

Klang toll! Wonderwall! So was mit „Wunder“!

Und so entschieden wir damals: Ihr spielt „Wonderwall“ von der Gruppe Oasis und ich predige über den Text; eine Gruppe, von der ich bis auf den Namen eigentlich sonst überhaupt nichts wusste, und ein Text, den ich damals noch nicht kannte.

Je mehr ich mich jedoch in den letzten Tagen mit diesem Text beschäftigte, egal ob in Englisch oder in deutscher Übersetzung, desto mehr begann ich, meine Entscheidung zu bereuen.

Ich bekam wohl mit, dass Oasis in der 90-ern mit diesem Song den großen Durchbruch geschafft hatte. Den Sound fand ich auch gut. Aber der Sinn des Textes verschloss sich mir immer mehr, je mehr ich mich mit ihm beschäftigte. Von wem singt da Noel Gallagher überhaupt und was soll dieser Person mitgeteilt werden? Welche Story verbirgt sich hinter diesem Song?

Dann im Internet ein Hoffnungsschimmer: Er habe diesen Song für seine damalige Lebensgefährtin geschrieben, als sie gerade ihren Job verloren hatte. Aber auch mit dieser Erklärung gab der Text keinen großen Sinn. Und vor allem: Niemanden von den Kommentatoren im Internet schien es zu interessieren, was eigentlich eine „Wonderwall“ ist.

Dann habe ich hoffnungsvoll Euch, die Band, bei der Probe am Freitag in der Kirche danach gefragt, was der Text denn bedeutet. Eure ernüchternde Antwort: Ihr hättet euch eigentlich bisher darüber noch keine Gedanken gemacht. Ihr würdet den Song wegen der Musik spielen.

Mein Frust am Freitag: Wie soll ich über einen Text predigen, den ich nicht verstehe und von dem mir niemand sagen kann, wie ich ihn verstehen soll?

Dann wieder ein Fund im Internet:

Noel selbst gibt da zum Besten: Der Text hat gar nichts mit seiner Freundin zu tun. Er weiß selbst nicht mehr, wie der Text entstanden ist. Und weiter: Er meint, der handele wohl eher von einem imaginären Freund, „der kommt und dich vor dir selbst retten wird“.

Aber selbst dann, wie auch immer ich die Sätze drehte und wendete, sie ergaben für mich keinen zusammenhängenden Sinn.

Wisst Ihr, das ist bei den Texten aus der Bibel ganz anders. Sie mögen ja alle sehr unterschiedlich sein, manche leichter, andere wiederum schwerer verständlich, manche reizen zum Widerspruch, manche finden wir einfach schön.

Aber letztlich geht es bei all diesen Texten um ein und dasselbe Thema:

Sie erzählen von der grenzenlosen Liebe Gottes zu seinen Menschen auf der einen und von dem fehlenden Vertrauen der Menschen zu Gott auf der anderen Seite. Sie erzählen, wie Menschen sich selbst durch dieses fehlende Gottvertrauen ihr Leben schwerer machen und wie Gott mit solchen Menschen umgeht: Dass er ihnen trotzdem zugewandt bleibt, ihnen hilft, sie stützt und trägt.

Dass deutlich wird: Seine Liebe ist es, die bei allem, was sich in unserem Leben verändern mag, für uns verlässlich bleibt, egal was in unserem Leben war, was ist und was sein wird.

Sich darauf zu verlassen nennt die Bibel „Glauben“.

Und unter dem Vorzeichen dieses Glaubens gewinnen dann manche Sätze aus dem Song von Oasis plötzlich für mich an Bedeutung, selbst wenn sie vermutlich von Noel Gallagher ursprünglich ganz anders gemeint waren:

Und alle Wege, die wir zu gehen haben, sind voller Kurven.

Und all die Lichter, die uns dorthin führen, blenden uns.

Die Wege, die wir im Leben zurückzulegen haben, sind oft alles andere als einfach und nur so geradeaus. Sie sind voller Kurven, unübersichtlich; es ist nicht vorhersehbar, was hinter der nächsten Kurve kommen wird; manchmal gar gefährlich.

Und die Lichter, die uns diese Wege erhellen, ja, selbst die Menschen, die sie uns erhellen, können uns zugleich auch blenden, uns die Sicht nehmen, uns so beeindrucken, dass wir von ihnen geblendet unseren Weg verfehlen.

Woher bekommen wir Orientierung für unser Leben, gerade dann, wenn wir vom Weg abgekommen sind?

Bei dem, der uns zusagt:

Ich glaube nicht, dass irgendwer dasselbe für dich empfindet wie ich.

Dass dich irgendjemand so lieb hat wie ich.

Es tut unheimlich gut, es ist wunderschön, dies gesagt zu bekommen.

Ich glaube nicht, dass irgendwer dasselbe für dich empfindet wie ich.

Dass dich irgendjemand so lieb hat wie ich.

Das gibt Selbstsicherheit, Mut, Gelassenheit.

Auch wenn ich mich noch so klein, schwach, unbedeutend finde, ihm bin ich unendlich viel wert.

Ich glaube nicht, dass dich irgendjemand so lieb hat wie ich.

Das sagt Gott zu dir und zu mir, zu uns.

Das hat Wirkung! Auch wenn ich ihn nicht begreifen kann, möchte ich mehr wissen von ihm und über die Erfahrungen, die Menschen vor mir mit ihm gemacht haben. Und genau darum soll es unter anderem im Konfirmandenunterricht schwerpunktmäßig gehen.

Es könnte sein, dass du es bist, der mich retten könnte.

Noel Gallaghar sprach selbst von „jenem imaginären Freund, der mich vor mir selbst rettet.“

Für uns ChristInnen ist dieser Freund, der uns vor uns selbst rettet, nicht imaginär, sondern ganz real, ganz wirklich: Er ist Gott. Gott, der uns in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist und uns in ihm gezeigt hat, wie weit er in seiner Liebe zu uns zu gehen bereit ist: bis zum Tod am Kreuz.

Wir haben keinen imaginären Freund. Es gibt ihn tatsächlich. Und wir dürfen zu ihm gehören – durch unsere Taufe!

Schließlich bist du meine Wonderwall.

Dies kann ich in dreifacher Hinsicht verstehen:

Gott ist meine Stützmauer. Er verleiht meinem Leben Festigkeit, selbst dann, wenn der Boden unter meinen Füßen wankt.

Gott ist meine Schutzmauer. Bei ihm bin ich in Sicherheit. Bei ihm und hinter ihm kann ich Zuflucht suchen. Er wird mich nie zurückstoßen.

Und das, was er für mich zu sein und zu tun bereit ist, das mag mir manchmal wie ein Wunder (Wonder-wall) erscheinen, und doch ist es so real – wie eine Mauer, die mich stützt, die mir Grenzen aufzeigt, mir Sicherheit und Zuflucht bietet oder über die ich, wo sie mir die Freiheit zu leben raubt, mit meinem Gott springen kann.

Darauf, liebe KonfirmandInnen lasst Ihr Euch ein, wenn Ihr Euch konfirmieren lasst.

Darauf, liebe Gemeinde, haben wir alle uns eingelassen bei unserer Konfirmation oder Firmung.

Wie gut, dass Gott selbst uns immer wieder daran erinnert!

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