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Oh, happy Day

Glücklich – wann sind wir eigentlich glücklich?

Wenn uns etwas gelingt – wenn wir merken, dass andere uns schätzen oder mögen – wenn wir uns zu etwas überwunden haben, was wir schon lange vor uns hergeschoben haben – wenn uns jemand eine Freude macht – wenn wir einmal ausschlafen oder spät frühstücken können – wenn wir genug Geld auf der Bank haben – wenn sich etwas als nicht so schlimm erweist wie ursprünglich erwartet – wenn wir endlich etwas gekauft haben, was wir schon längst haben wollten?

Übrigens, alle wollen uns glücklich machen:

mit einem neuen Schampon – Auto – Waschmaschine – Gameboy – Jeans – Finanzierungskonzept – DVD-Player – Eigentumswohnung – Last-Minute-Reise – …………

Weshalb gibt es trotz der immensen Zahl an Glücklich-Mach-Angeboten so viele unglückliche Menschen in unserer Gesellschaft?

Weil äußerliche Glücklichkeit oder Glücklichkeit durch Äußerlichkeiten wie eine Droge sind: Sie machen nicht wirklich glücklich. Erzeugen vielmehr nur ein kurzes Glücksgefühl und dann muss schon das nächste kommen, sonst herrscht nur Frust.

„Don´t worry, be happy!“ – Mach dir keine Sorgen! Sei einfach glücklich! Das ist die Devise unserer Zeit. So, als ob Glücklich-Sein einfach so verordnet werden könnte.

Weit gefehlt!

Weil Glücklich Sein von Innen heraus kommen muss; weil ich mich nur glücklich fühlen kann, wenn es in mir drinnen stimmt.

Wie kann das geschehen? Hören wir als Antwort auf diese Frage einen bekannten Gospel aus den 20-er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts:

Oh happy day, when Jesus washed my sins away. He taught me how to watch, fight and stay, fight and pray, and live enjoying every day.

Gewiss, es gibt bei uns eine Vielzahl von Angeboten, wie man/frau glücklich werden oder auch bleiben kann. Eines dieser Angebote ist der christliche Glaube. Und worum es dabei geht, hat dieser Gospel auf eine kurze Formel gebracht.

Ausgangspunkt christlichen Glücklich-Seins ist die Botschaft von der unverlierbaren Liebe Gottes.

When Jesus washed ….. In Jesus hat Gott uns gezeigt, wie weit er in seiner Liebe zu uns zu gehen bereit ist: bis, ja bis zur Selbstaufgabe. Das uns von unserer Seite aus von Gott Trennende, unser fehlendes Vertrauen zu ihm, was die Bibel „Sünde“ nennt, und deren Folge, unsere Schuld ihm, unseren Mitmenschen, unserer Umwelt und uns selbst gegenüber ist für Gott letztlich kein Grund, um uns seine Liebe zu entziehen, wenn wir uns nach ihr sehnen.

Und wenn wir auch noch so versagt haben, und wenn wir uns auch noch so nutzlos und wertlos und allein vorkommen mögen, ihm sind wir es wert, dass er uns mit seiner Liebe beschenkt, dass er uns so Sicherheit und Gebogenheit gibt:

Was auch kommen mag, wo ich auf ihn vertraue, wird er mich nicht fallen lassen, auch wenn ich das gar nicht verdient habe.

Seht Ihr, darin gründet sich das christliche Glücksgefühl; dass innen drinnen in uns alles stimmen darf, mag es auch außen herum ganz schon drunter und drüber gehen – unser „innerer Halt“, von dem oft die Rede ist.

He taught me how to watch – er lehrte mich, mit wachen, wachsamen Augen durch die Welt zu gehen; mit Augen, die sich nicht durch Vordergründiges blenden lassen, sondern wahrnehmen, was wirklich passiert, um dann auch zu sagen oder tun, was in der entsprechenden Situation wichtig und richtig ist, couragiert und ohne es sich durch faule Kompromisse leichter zu machen. Mit wachsamen Augen auch für sich selbst und nicht nur für die anderen.

to fight and stay – das geht nicht ohne Kampf ab, mit anderen und mit sich selbst; um das richtige Wort, um das angemessenen Tun zu ringen, es sich nicht leicht zu machen und bei dem zu bleiben, wofür man/frau sich entschieden hat: Das ist die große Krankheit unserer Zeit – unsere Schmetterlingsmentalität – von einer Blüte zur anderen, letztlich orientierungslos werdend.

Dabei bleiben, selbst in Krisen, denn erst in Krisen reifen wir, reift unser Glaube. Wer gerade in Krisenzeiten aufgibt, nimmt sich die Chance, die Tragfähigkeit seines Glaubens auszutesten und so kennenzulernen.

fight and pray – dazu gehört auch das Gebet, das vertrauensvolle Ansprechen Gottes; in Worte fassen, was mich gerade bewegt; durch das Aussprechen sich selbst bewusst machen, um was es gerade bei mir geht; mir selbst zuzuhören, darauf zu hören, was ich Gott sage und was ich ihm verschweige, obwohl ich das gar nicht müsste, weil er ja sowieso alles von mir weiß.

Das Gebet als seelische Reinigung und Stärkung für das Ringen um eine gerechtere, Gott gewolltere Welt; als Möglichkeit, sich auszusprechen, zur Ruhe zu kommen und neue Kräfte zu sammeln.

and live enjoying every day – das heißt dann nicht, jeden Tag ein glückliches Gesicht aufsetzen zu müssen, weil wir ja Christen sind, auch wenn es in uns drinnen ganz anders aussehen mag. Sondern: So zu leben, dass wir jeden Tag genießen können, selbst dann, wenn er uns Schweres abfordert; genießen in dem Sinne, dass er für uns egal, was er uns gebracht hat, kein verlorener Tag war, sondern ein Schritt auf unserem Lebensweg, der uns weitergebracht hat.

Wisst Ihr, oft merken wir erst im Nachhinein, dass uns das, von dem wir meinten, es habe uns zurückgeworfen, letztlich voran gebracht hat.

So hilft uns der Glaube, das Vertrauen auf die Liebe Gottes, die uns überall und jederzeit gilt, unser Leben bewusster zu gestalten, zu verändern, zu wagen, durchzuhalten, allen Widrigkeiten und all unserer Begrenztheit zum Trotz.

Sich geborgen fühlen dürfen in der Liebe Gottes – das ist der christliche Ausgangspunkt dafür, sich glücklich fühlen zu können in den Höhen, aber eben auch in den Tiefen des Lebens.

Oh happy Day!

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