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Ostern verstehen?! – Mk 16,1f

Die Sache mit dem leeren Grab

Drei Frauen waren es, die sich als erste früh am ersten Tag der Woche, am Sonntagmorgen gleich nach Sonnenaufgang zum Grab Jesu aufmachten, um nachholen, was sie am Freitag nicht mehr hatten zu Ende bringen können. Sie hatten wohlriechende Öle bei sich, um den Leichnam Jesu damit einzusalben, so wie es bei ihnen Brauch war.

Sie kommen zum Grab und stellen fest: Es ist offen und es ist leer. Vom Leichnam Jesu keine Spur! Welch ein Schock für sie!

Was war passiert?

Dann die Erklärung:

„Habt keine Angst. Ihr sucht Jesus von Nazaret, der gekreuzigt wurde. Er ist auferweckt worden. Er ist nicht hier. Seht, da hatte man ihn hingelegt. Geht und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er euch nach Galiläa vorausgeht. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“

Da war er gelegen, der Leichnam Jesu. Aber jetzt ist er nicht mehr da, „weil er vom Tod auferweckt worden ist“. Der am Kreuz Gestorbene lebt! „Sagt das den Jüngern! Er geht euch schon nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sogar zu sehen bekommen.“

Ich weiß, dass viele von uns bei diesem ersten Bericht von Ostern so ihre Fragezeichen haben. Das mit dem leeren Grab ist ja noch akzeptabel. Aber das mit dem Engel und seiner Auferstehungsbotschaft, das alles klingt für unsere aufgeklärten Ohren schon recht suspekt.

Es fällt uns ja zugegebener Weise nicht gerade leicht, uns vorzustellen, Jesus wäre plötzlich wieder lebendig geworden, hätte sich aus seinen Leichentüchern herausgewickelt, hätte den Rollstein zur Seite geschoben und wäre dann durch die Grabesöffnung nach draußen und dann einfach weg gegangen. Oder wie hätte es denn sonst gehen können?!

Aber so ist das nun einmal mit Ostern: Die Auferweckung Jesu vom Tod übersteigt unser Vorstellungsvermögen.

Zugleich sind wir uns alle im Klaren darüber, dass es vieles trotzdem gibt, obwohl wir es uns nicht vorstellen können. Oft einfach deshalb, weil wir die entsprechenden Zusammenhänge nicht verstehen bzw. erkennen.

(Den folgenden Abschnitt müsste man/frau so aufnehmen, dass es passt.)

Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, habe ich einmal an Ostern bei einem Familiengottesdienst ein kleines Schokoladen-Ei verschwinden und dann wieder auftauchen lassen – ein primitiver Trick gewiss, aber für diejenigen, die ihn nicht durchschauen, faszinierend. Natürlich gab es dann auch einige, die den Trick kannten oder mitbekamen, dass ich mit einer Hand herumfuchtelte, um die Aufmerksamkeit von der anderen Hand abzulenken, die das Ei in die Tasche des Talars steckte bzw. dort wieder herausholte.

(Wer sich das zutraut, könnte dies während des Gottesdienstes auch direkt machen. Leider ist dies in Zeiten von Corona ohne Präsenzgottesdienste nicht möglich. Aber es gibt ja auch eine Zeit danach!)

Ich will damit nicht sagen, dass Ostern ein Trick ist.

Vielmehr: Wer die Zusammenhänge versteht, für den ist das Ergebnis keine Überraschung, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Deshalb die Frage an uns: Müssen wir das verstehen, was für Gott eine Selbstverständlichkeit ist?

Nämlich, dass er Jesus von den Toten auferwecken kann?

Reicht es nicht, dass wir ihm vertrauen und in diesem Vertrauen ihm dies auch zutrauen, obwohl wir es nicht verstehen?

Wisst Ihr, diese innere Einstellung nennt die Bibel „Glaube“. Die Bereitschaft, Gott zu vertrauen – über unser Verstehen hinaus.

Matthias Claudius hat dies in seinem bekannten Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ einmal so formuliert:

Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

Dass an Ostern Gott Jesus vom Tode auferweckt hat, das bleibt für uns ein schwieriger Bestandteil unseres Glaubens, mit dem wir wohl nie richtig fertig werden. Aber das müssen wir auch nicht. Dazu macht mir die Reaktion der Frauen Mut, von denen es heißt:

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Obwohl sie viel näher am Geschehen waren als wir, haben sie dieselben Schwierigkeit wie wir, das Wunder der Auferweckung Jesu glaubend anzunehmen.

Nochmals: Ich muss nicht verstehen, was für Gott eine Selbstverständlichkeit ist. Aber ich darf darauf vertrauen, dass es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist.

Wo uns das gelingt, da ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Gewissheit: Wenn Gott Jesus vom Tode auferweckt hat, dann wird er auch mich dereinst vom Tode auferwecken können.

Dann hat der Tod endgültig seine Macht verloren – über mein Leben und über das Leben meiner Lieben.

Dann dürfen wir Jesus tatsächlich auch durch den Tod hindurch nachfolgen, ins Leben.

Deshalb:

„Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod.“ EG 116

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