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Wir kommen alle, alle in den Himmel! – Mt 22,1f

Der himmlische Dresscode

Matthäus 22,1-14             

Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Mit dem Himmelreich verhält es sich wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit! Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft. Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie. Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren’s nicht wert. Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet. Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen,  wen sie fanden, Böse und Gute; und alle Tische wurden voll. Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Ich erinnere mich an die Rückfrage eines Konfirmanden nach einem Gottesdienst, in dem dieser Bibeltext die Altarlesung war: Eigentlich ist das doch unverständlich! Da wir einer unerwartet, von der Straße weg zu einem Fest eingeladen und wird dann vom Gastgeber hinausgeworfen wegen seiner dem Fest nicht entsprechenden Kleidung?! Das hatte doch keiner von ihm erwarten können! Das ist doch ungerecht!

Übrigens: Auch der Evangelist Lukas berichtet uns dieses Gleichnis, aber bei ihm hören wir kein Wort von diesem überraschenden Rausschmiss! Weshalb?

Ganz offensichtlich hat hier der Verfasser des Matthäusevangeliums zwei Gleichnisse Jesu miteinander kombiniert, die ursprünglich gar nicht zusammen gehörten: das Gleichnis vom großen Festmahl und das vom festlichen Gewand.

Aus welchem Grund wird er das wohl getan haben?

Beide Gleichnisse reflektieren dasselbe Thema: Die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel

Das Gleichnis vom großen Festmahl

Ein König lädt ein zum Hochzeitsmahl seines Sohnes. Er schickt seine Knechte aus. Aber niemand von den Eingeladenen will kommen. Welch eine Enttäuschung! Welch ein Frust!

Nochmals schickt er seine Knecht aus: „Kommt! Denn es s ist alles bereit.“ Wieder nimmt keiner von den Eingeladenen die Einladung an. Offensichtlich haben sie kein Interesse daran; offensichtlich ist ihnen anderes wichtiger. Soweit scheint das Ganze ja noch nachvollziehbar zu sein.

Aber dann heißt es auf einmal: Andere verprügeln, ja töten sogar seine Knechte. Das klingt unlogisch. Weshalb sollten sie so etwas tun?

Seht Ihr, das ist das Besondere an einem Gleichnis: Es muss gar nicht logisch sein, weil es nur eine Beispielerzählung ist.

In Wirklichkeit will Jesus mit Hilfe dieser Geschichte deutlich machen, welche Erfahrungen Gott mit seinem auserwählten Volk gemacht hatte. Immer wieder hatte es seine Einladung abgelehnt; hatte es seine Boten, seine Propheten verhöhnt, geschlagen, ja sogar getötet; hatte es selbst Jesus als den Messias, den Gesalbten Gottes, abgelehnt.

„Kommt, denn es ist alles bereit!“

Sie hatten diese Einladung zurückgewiesen.

Der König im Gleichnis, so hören wir, macht kurzen Prozess mit seinen undankbaren Gästen. Und statt ihrer, der Privilegierten, werden plötzlich ganz andere eingeladen: solche, die bisher nicht zum erwählten Kreis gehört hatten; die für unwürdig und bedeutungslos gehalten worden waren; die von der Straße.

Was Jesus mit seinem Gleichnis verdeutlichen wollte, ist klar und provozierend zugleich: Nachdem die Auserwählten Gottes, sein auserwähltes Volk, seine Einladung abgelehnt haben, gilt diese nun plötzlich den „goim“, den Heiden, den Ungläubigen.

Ihnen, den bisher Verachteten und Ausgeschlossenen, macht Gott den Zugang zu seinem Tisch möglich.

Es gibt folglich bei ihm keine Bevorzugten mehr. Alle sind eingeladen.

So die Botschaft des ersten Gleichnisses.

Mit Recht sich der Evangelist Matthäus da nun Sorgen gemacht, dass dieses „alle“ missverstanden, vor allem jedoch, dass es ausgenützt werden könnte. Deshalb verknüpft er das Gleichnis vom Festmahl mit dem ursprünglich nicht dazugehörenden Gleichnis vom festlichen Gewand, wohl mit der Absicht, deutlich zu machen:

Eingeladen sind alle. Nur, ob alle an diesem Tisch sitzen bleiben dürfen, also ob sie wirklich dazugehören, dies zu entscheiden liegt allein in der Macht Gottes.

Wie ist das zu verstehen?

Ich denke da an jenen auch heute oft noch zu hörenden Fastnachts-Schlager: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind!“

Auch wenn das ja nur zum Spaß gesungen wird, so gibt es doch genügend unter uns, die mehr oder weniger offen der Meinung sind: Das stimmt eigentlich so auch für mich.

Nur, und darauf weist Jesus mit diesem Gleichnis eindrücklich hin: Die Annahme der Einladung ist nicht alles. Im Sinne von: „Wenn ich erst mal drinnen bin, dann kann mir nichts mehr passieren!“

Oder nach dem Motto: Ich bin getauft und konfirmiert und zahle meine Kirchensteuer. Also gehöre ich dazu!

Nochmals im Klartext: Die Annahme der Einladung ist nicht die Garantie für die Seligkeit.

Sondern sie ist vielmehr unsere Chance – vielleicht genauso unerwartet und unverdient wie für „die auf der Straße“ – unsere Chance, hineinwachsen zu können in die Gemeinschaft, in die Vertrauensbeziehung mit Gott.

Der Evangelist Johannes hat diesen wichtigen Gedanken einmal auf folgenden kurzen Nenner gebracht:

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

In Jesus Christus gilt die Liebe Gottes allen Menschen, aber sie kann nur deren Leben bereichern, ermutigen, trösten, die diese Liebe nun auch für sich glaubend annehmen, die Gott ihr Vertrauen schenken, die auf sein Wort hören, und zwar nicht nur einmal, sondern täglich neu.

Andernfalls bleibt diese Chance ungenutzt.

Matthäus mahnt uns ganz deutlich: Macht euch nichts vor: Ihr könnt nicht unverbindlich nur so ein bisschen christlich leben und damit hat es sich.

Trotz der Größe der Liebe Gottes wird es viele geben, die verloren gehen, die sich selbst um diesen Platz an seinem Tisch bringen, weil Gott ihnen in ihrem Leben gleichgültig oder sogar für sie bedeutungslos geworden ist; weil sie ihm zu wenig zutrauen, also weil sie sich gleichsam selbst aus dem Wirkungsbereich seiner Liebe ausschließen, indem sie ihm nicht vertrauen.

Gott fragt nicht danach, wie hoch die Kirchensteuer ist, die wir zahlen, sondern wie tief unser Vertrauen ist, das wir ihm schenken.

Und er sagt uns zu: Wenn Ihr um dieses Vertrauen ringt, wenn Ihr trotz Eurer Zweifel und Anfechtungen an mir festhaltet, wenn Ihr in all Eurer Schwachheit, Kleinglauben und Versagen mich sucht, mich versucht, in Wort und Tat vor der Welt zu bezeugen, dann werde ich Euch ganz gewiss nicht hinauswerfen wie der König jenen im Gleichnis, der kein entsprechendes Festgewand anhatte, weil gerade daraus, aus Eurem letztlich immer doch brüchigen und unvollkommenen Gottvertrauen Euer Festgewand gewoben ist; weil Ihr dann sicher sein dürft, „dass Ihr zu mir gehört und ich Euch stärken werde an meinem Tisch, damit Ihr die Kraft, den Mut und die Hoffnung bekommt, die Ihr braucht, um Euch den Herausforderungen des Eures Lebens und Zusammenlebens zu stellen.“

Kommt, denn es ist alles bereit!

Gottes Einladung wirklich anzunehmen, heißt, zuzulassen, dass er zu uns kommt; dass wir ihm Raum geben in unserem Leben, damit er immer neu Wohnung nehmen kann bei Dir und bei mir und dadurch Dich und mich mit neuer Lebenskraft erfüllt bis, ja bis hinein in seine Ewigkeit.

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